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Experten-Check Wahlprogramme: Klimaziele im Gebäudesektor
Text: Redaktion| Foto (Header): © Fotomek.stock.adobe.com
Der Gebäudesektor steht mit einem Anteil von mehr als 30 % der gesamten CO₂-Emissionen in Deutschland im Fokus der Klimapolitik. Die Neuwahlen bringen zentrale Weichenstellungen für die Zukunft des Bau- und Immobiliensektors mit sich. Doch welche Partei stellt ambitionierte Klimaziele wirtschaftlich tragfähigen Lösungen gegenüber? Wer unterstützt Fördermittel, um höhere Sanierungsquoten zu erzielen, und für welche Parteien stehen Digitalisierung und Effizienz im Fokus? Immobilienexperte und ESG-Berater Daniel Schreiner von Purpose Green, einem der führenden Climate-Tech-Unternehmen in Deutschland, gibt eine fachliche Einordnung zu den verschiedenen Positionen in den Wahlprogrammen der wichtigsten Parteien.
Nachhaltiges Wohnen: Wege zur Senkung von Emissionen im Gebäudesektor
- Während die Grünen verpflichtende fossilfreie Heizsysteme, Subventionen für Wärmepumpen und EU-taxonomiekonforme Einstufungen sanierter Gebäude fordern,
- setzt die Union auf steuerliche Anreize und eine Reform bestehender KfW-Programme, ergänzt durch Bildungskampagnen zu klimafreundlichem Wohnen.
- Die SPD plant verbindliche Effizienzstandards – ähnlich wie die Grünen und die Linke – und umfangreiche Förderprogramme, insbesondere für Altbauten und den Austausch fossiler Heizungen.
- Mit Fokus auf technologieoffene Ansätze, weniger Bürokratie und Innovationsförderung will die FDP die Wählerschaft überzeugen.
- Die Linke fordert sozial gerechte Lösungen, wie die staatliche Übernahme von Kosten für klimafreundliche Umbauten und kostenfreie Bildungsprogramme.
- Im Gegensatz dazu lehnt die AfD verbindliche Maßnahmen ab und setzt auf Freiwilligkeit und Bestandsschutz.
Fachliche Einordnung von Immobilienexperte Daniel Schreiner, ESG-Lead bei Purpose Green:
„Der Gebäudesektor benötigt klare, ambitionierte Standards, kombiniert mit marktwirtschaftlichen Anreizen und Innovationsförderung. Gleichzeitig hemmt Überregulierung wichtige Investitionen. Bei Purpose Green sehen wir besonders erfolgreiche Strategien für energetische Sanierungen in der engen Verknüpfung von:
- Verbindliche, finanzierbare Effizienzstandards mit praxisnaher Umsetzungsfrist
- Individuell auf die Gebäudebedürfnisse zugeschnittene Betrachtung.
- Abbau bürokratischer Hürden für schnellere Sanierungsprozesse
Ohne klare und wirtschaftlich tragfähige Sanierungsmaßnahmen bleibt der Gebäudesektor mit den immensen CO₂-Emissionen eine Herausforderung.“
Digitalisierung im Immobiliensektor: Effizientere Genehmigungen
- FDP, CDU/CSU und Grüne setzen auf digitale Bauanträge, weniger Bürokratie und smarte Technologien, um Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Während Grüne und SPD zusätzlich Datenplattformen und Smart-City-Konzepte fördern, legt die CDU/CSU den Schwerpunkt auf einheitliche Standards und klare Zeitlimits.
- Die Linke fordert staatliche Unterstützung für kleine Unternehmen und transparente Datenplattformen.
- Im Gegensatz dazu bevorzugen AfD und BSW freiwillige Maßnahmen und lokale bzw. marktwirtschaftliche Ansätze.
Fachliche Einordnung von Daniel Schreiner:
„Effiziente Digitalisierung an den Schnittstellen zwischen Behörden und Immobilienbranche ist ein wichtiger Schritt, um die Sanierungsquote in Deutschland zu erhöhen. Genehmigungsrückstand, überbordende Bürokratie und fehlende Standards stehen dem Fortschritt gegenüber. Ohne verbindliche Fristen, einheitliche digitale Verfahren und den konsequenten Einsatz digitaler Lösungen wird die Sanierungsrate weiter stagnieren. Das steht den Klimazielen gegenüber, und treibt auch Energiekosten für Haushalte und Unternehmen in die Höhe. Es braucht eine echte digitale Reform in der Immobilienbranche.”
Klimaschutz und lebenswerte Städte: Strategien zur Reduzierung von Treibhausgasen
- Die Grünen und SPD setzen auf einen schnellen Ausstieg aus fossilen Energien und den Schutz natürlicher CO₂-Speicher, wobei die Grünen zusätzlich Renaturierungsprojekte priorisieren und die SPD den sozialen Ausgleich durch Förderprogramme betont.
- Die Union und die FDP legen den Fokus auf technologischen Fortschritt: Die CDU/CSU verbindet diesen mit dem Erhalt ländlicher Räume, während die FDP den europäischen Emissionshandel als zentrales Instrument hervorhebt.
- Die Linke fordert einen radikalen Umbau hin zu Klimagerechtigkeit, inklusive kostenlosen ÖPNV und umfassender Förderung erneuerbarer Energien.
- Im Gegensatz dazu lehnen AfD und BSW auch hier verbindliche Klimaziele ab und setzen auf Freiwilligkeit sowie wirtschaftlich tragbare Maßnahmen.
Fachliche Einordnung von Daniel Schreiner:
„Die nachhaltige Nutzung und wirtschaftliche Optimierung des bestehenden Immobilienbestands ist ein entscheidender Hebel für eine zukunftsorientierte Entwicklung von lebenswerten Städten. Angesichts der wachsenden Herausforderungen des Klimawandels müssen wir langfristige Strategien verfolgen, die wirtschaftliche Stabilität mit ökologischer Verantwortung verbinden. Effiziente energetische Sanierungen spielen dabei eine Schlüsselrolle.“
Sämtliche Ergebnisse der Untersuchung zu den Wahlprogrammen finden Sie auch im dazugehörigen Blogartikel von Purpose Green: www.bit.ly/pg-wahlprogrammanalyse
Über die Untersuchung
Für diese Untersuchung wurden die (vorläufigen) Wahlprogramme der wichtigsten Parteien auf die definierten Themenschwerpunkte hin analysiert. Dazu wurden die Positionen der jeweiligen Partei zu den relevanten Fragestellungen im Bereich Bauen, Klimaschutz und Digitalisierung aufgeschlüsselt. Die Ergebnisse der Analyse wurden von den ESG-Expert:innen von Purpose Green ausführlich eingeordnet und bieten eine fachliche Bewertung der politischen Strategien. Als Quelle der Wahlprogramme der Parteien diente: www.bundestagswahl-bw.de/bundestagswahl-wahlprogramme.
Über Purpose Green
Purpose Green ist ein in Berlin ansässiges Climate-Tech-Unternehmen, das den Immobiliensektor mit umfassenden End-to-End Lösungen zur Dekarbonisierung verändert. purpose-green.com
Der Autor
Der Hausmeister Redaktion